...
Im
zitternden Schein der Fackeln sah der Schamane ruhig auf den
Mann, der nur eine Schrittlänge entfernt vor ihm auf
dem Boden saß. Dieser Mann war ich, was mir in jenem
Augeblick allerdings noch nicht klar gewesen ist.
Mir
war, als blickte etwas bis auf den tiefsten Grund meiner Seele,
meiner Vergangenheit und meines ganzen armseligen Seins.
"Wo"
fragte unvermittelt eine nicht laute, aber wohl vernehmliche,
warme, dunkle Männerstimme in die knisternde Stille hinein.
- "Wo, Fremder, liegen die Grenzen der Emotionen?"
Die
Stimme kam irgendwie aus dem Kopf, der mit nur einem knappen
Meter Abstand meinem eigenen Gesicht bewegungslos wie eine
Wachsmaske unangehehm nahe gegeüber hing. Wie
ein Mantra wiederholte das endlose Echo in meinem Kopf diesen
merkwürdigen Satz. Jahunderte schienen dahinzufliegen.
Sonnenauf- und untergänge gaben ein kosmisches Stroboskoplicht.
Mir würde übel. "gut", dachte ich, "dass
ich sitze".
"Die
Grenzen der Emotionen ...", begann meine Stimme zu krächzen,,
"sind exakt definiert". Gebannt lauschte ich meinen
eigenen Worten.
"Die
Grenzen der Emotionen sind exakt definiert
in der Konfigurations des Spamfilters auf meinem Mailserver".
Woher kam mit einem Male nur die Kraft, wieder verständliche
Worte aneinanderzureihen?. - "Da bleibt jeder Smilie
auf der Strecke" - hörte ich mich weiter sprechen
- "und alles was er noch im Schlepptau hat wird gleich
mit geschreddert"
Mann
o Mann!
Dieser Text war lang genug, um mich während des Vortrages
irgendwie auf die Beine zu bringen. Etwas wackelig noch, aber
wieder aufrecht, verlies ich in dieser mondlosen Nacht den
Ort jener wundersamen Begegnung ohne einen Blick zurück.
Schon am folgenden Morgen mochte ich gar nicht mehr glauben,
dass es überhaupt passiert war. Alles schien wie ein
Traum. Nur eines ist mir seither nie mehr aus dem Kopf gegangen.
Die Frage nach den Grezen der Emotionen. Ich leerte den Spamfilter
und stürtzte mich auf den neuen Tag.